War ich eine schlechte Mutter?

War ich eine schlechte Mutter?

Beitragvon Verzweifelt » So 3. Mär 2019, 19:11

Ich habe meine Tochter (22) alleine großgezogen. Das war natürlich nicht leicht und es gibt eine sehr sehr lange Geschichte zu mir die hier aber den Rahmen sprengen würde. Deshalb versuche ich es kurz zu machen.

Meine Tochter ist seit ihrer Pupertät sehr anti mir gegenüber eingestellt. Bekam Wutausbrüche, lies sich nichts mehr sagen und war einfach nur rotzfrech.
Ich ging zur Elternberatungsstelle und wurden dort 4 Jahre betreut. Mir hat das dort sehr viel gebracht. Wir konnten einiges umsetzen. Meine Tochter fühlt sich ständig vernachlässigt, nicht wertgeschätzt und oft nicht geliebt.
Ich mag auch nicht abstreiten das ich keine Fehler gemacht habe. Natürlich habe ich Fehler gemacht. Ich war auch oft ungeduldig, gereizt, überfordert und hin und wieder mal ungerecht.
Sie war schon von klein auf sehr willensstark und stur :roll:
Mit ihrer entwicklung war ich sehr zufrieden auch wenn sie mir oft den letzten Nerv geraubt hat. Ich habe immer sehr viel wert auf eigenes Verantwortungsbewusstsein gelegt. Für sein eigenes Handeln gerade stehen, Fehler zugeben dürfen, nicht über seine Verhältnisse leben, sparsamkeit, eigene Entscheidungen treffen, seine Ziele nicht aus den Augen verlieren, Ehrlichkeit, Tollereanz, usw.

in der 8. Klasse ging es dann mit Aggression mir gegenüber los. Aber nur bei mir. Woanders war sie ein Unschuldslamm. Bis heute. Sie rastete regelmässig aus. Trat Türen ein, warf Stühle um sich, Vasen nach mir und beleidigte mich stundenlang aufs übelste. Das ging bis zum Abitur. Sobald etwas war was ihr nicht passte rastete sie aus. Einmal hat sie mir sogar eine gescheuert.

ich holte einen Familientherapeuten zur Hilfe, der zu uns nach Hause kam und die Verhältnisse mal analysieren sollte und mir um Himmels willen erklären soll was hier falsch läuft und mir helfen soll. Ich war so verzweifelt und hilflos das ich nicht mehr weiter wusste. 6 Monate kam der Therapeut 1-2x die Woche zu uns nach Hause.
Meine tochter hat nur Lügengeschichten erzählt. mein Freund sei ein Assozialer Drogenjunky. Er würde niemals etwas tun für sie oder mich. Er würde uns nur ausnutzen usw. Als ich ihm dann aufzählte was mein Freund u.a. für renovierungsarbeiten in ihrem Zimmer machte (Sie hat ein komplett neues Zimmer bekommen incl Tapeten und Möbel) war er total irritiert.
Als ich ihm eine Videoaufzeichnung vom Verhalten meiner Tochter zeigte wenn sie ausrastet, kapitulierte er und sagte ich soll sie rausschmeissen :shock:
Nach ein paar Monaten habe ich das auch tatsächlich getan, nachdem ich ihr aber die Unterkunft organisiert habe vom JA aus. In eine Obdachlosen WG. Ganze 4 Wochen habe ich sie dort schmoren lassen und es war herrliche Ruhe zu Hause.
Sie hat mich natürlich dafür gehasst. Konnte sich aber am riemen reißen um mir zu säuseln das sie wieder nach Hause will. Ich habe mich darauf eingelassen weil das wirklich eine echt schäbige Unterkunft war und ich so blöd wie ich bin, gehofft habe das es jetzt besser wird.
Sie hat seitdem nie wieder die Wohnung demoliert. Mich aber in einem verbalen Akt in die Knie gezwungen. Ich kann das gar nicht in Worte fassen :cry:

Heute ist sie 22 und wohnt seit 2 Jahren in einer Studenten WG ca 150km weit weg.

Sie ist ein wundervolles Mädchen. Sie hat sehr viele Freunde, ist sehr beliebt, sehr intelligent, kann super mit Geld umgehen, kann entscheidungen treffen und steht wunderbar auf eigenen Beinen. ich könnte vor Stolz platzen.

Ich habe gehofft das Ruhe einkehrt wenn sie flügge wird und wir dauerhaft räumlichen Abstand haben. Ist es aber nicht. Es kommen nach wie vor Hasstiraden über Whats app oder wenn sie mir dann mal am Telefon ihre Meinung sagen will. Das geht dann Stundenlang. Es reicht ein kleiner Auslöser der sie an etwas erinnert wie sie sagt. Ich trigger sie :shock:
Sie wirft mir vor das ich mich nicht um sie gekümmert hätte. Sie glaubt das ich kein Interesse an ihr habe. Wenn ich es mal so sagen soll: Sie benimmt sich mir gegenüber wie eine Borderlinerin. Denn oft war sie auch sehr lieb und umgänglich und plötzlich rastet sie aus. Wenn sie schlechte Laune hatte gingen bei mir schon die Alarm glocken an und ich lies sie lieber in Ruhe.
Meine Tochter ist maßlos von mir enttäuscht das sie mich als Mutter hat. Sie hätte lieber eine Familie gehabt wie sie es bei Ihren Freunden gesehen hat. Ich bin ihr bis heute nicht standesgemäß. Und genau so fühle ich mich in ihrer Gegenwart, auch wenn sie nicht ausrastet.
Das alles und meine eigene Jugend hat bei mir Spuren hinterlassen.
Vor 1,5 Jahren kam bei mir der Seelische Zusammenbruch. Diagnose PTBS, Panikstörung und Depression. Ich habe von einem auf den anderen tag aufgehört zu funktionieren. Bin arbeitslos geworden und bin in Therapie.

Zu der Zeit als ich im Sechseck durch meine Wohnung gelaufen bin (ca 8 wochen) und mitten in einer akuten Belastungsreaktion incl Flshbacks von ganz früher (Auslöser war nicht meine Tochter) wollte sie wieder zu Hause einziehen weil sie sich neu orientieren wollte. Ich hatte nur Angst! Wie schon erwähnt hat mein Zustand die Kontrolle über meine Gefühle und meinen Körper übernommen. Ich war von diesen Emotionen überwältigt. Das war mir alles zuviel. Ich kam gar nicht mehr klar mit den ganzen Emotionen. Ich derealisierte, konnte nicht mehr im Dunkeln schlafen, hatte permanent Panikattacken und glaubte jetzt verrückt zu werden weil sich das alles so komisch angefühlt hat. Als würde ich abdriften.
ich habe versucht meiner Tochter zu erklären das es mir grad überhaupt nicht gut geht. Konnte es damals überhaupt nicht benennen geschweige wusste ich was es ist.
Als sie Ihren Umzug plante und mir über whats app erzählte das ich mit dem Auto incl 4 Insassen 150km zu ihr fahren soll und dann noch die Leute irgendwo abladen soll und das ganze drumherum halt musste ich ihr sagen das ich das nicht schaffe. Hatte eine Alternative die ihr nicht gefallen hat. Sie pamte mich an, fing an auf ihre Art zu diskutieren und mir platzte der Kragen. ich schrieb ihr: Entweder so oder Du musst kucken wie Du deine Möbel hierherschaffst. Ausserdem kannst Du froh sein das du überhaupt wieder zu Hause einziehen darfst nachdem was Du die letzten Jahre hier abgezogen hast.
Da kam von ihr gar nichts mehr und sie brach den kontakt ab. Ich verviel in eine Schuld Spirale. ch war an allem Schuld. Ich habe sie im Stich gelassen. Dieser Vorfall rundete mein Zusamenbruch ab.

ich suchte erneut Rat bei der Elternberatung. Diese aber in einer anderen Stadt.

Stand heute: Ich habe mich soweit von den Flashbacks erholt. Weiß jetzt so ungefähr wie ich das klinisch einordnen und benennen kann welche Symptome mich da geritten haben. Die Panik ist allerdings nach 6 Monaten chronisch geworden. Mein Körper sagt mir ganz klar wann Schluss ist. Und das ziemlich oft.
Meine Tochter hat nach 3 Monaten wieder mit mir geredet und verachtet mich. Manchmal spüre ich aber auch Liebe und Zuneigung und eigene Hilflosigkeit. Sie liebt mich sehr was oft in Hass umschlägt. Sie wirft mir immernoch vor das sie wegen mir obdachlos war (sie hat dann 4 Monate bei Ihrem Freund gelebt) und ich sie im Stich gelassen habe.
Ich spüre eine tiefe Enttäuschung von ihr das sie mich als Mutter hat. ich kanns nicht anders beschreiben. Dabei finde ich mich selbst gar nicht so schlimm.

Mittlerweile verkrafte ich ihre Anschuldigeungen bzw Ausbrüche nicht mehr. Das hängt mir Wochenlang nach und komme nicht zu Ruhe. Ständig geistert mir das im Kopf rum. Es fühlt sich sehr sehr schlecht an.
Während dieser Ausbrüche, versuche ich auf sie einzugehen und das Gespräch auf einer Ebene zu halten um auch erstmal den eigentlichen Grund zu filtern. ich versuche das Problem zu lösen. Oft entschuldige ich mich auch. Ich weiß nicht wie oft ich mich schon bei Ihr entschuldigt habe

Nun zu meinem eigendlichen Anliegen. Meine Elternberaterin plant eine Zusammenführung mit mir und meiner Tochter. ICH habe wahnsinnige Angst davor. Obwohl ich weiß das es auch nicht schlimmer werden kann als sonst, bekomme ich Schweißausbrüche wenn ich daran denke wie ich da sitze und rede und Antwort stehen muss. Meine Tochter ist wie gesagt ein sehr braves und ansttändiges Mädchen was sich sehr gut artikulieren und verständigen kann. Kein Mensch würde auf die Idee kommen wie sie sich zu Hause und mir gegenüber wirklich verhällt.
Jetzt war ich letzte Woche wieder bei der Elternberatung. Die Frau hat sich blöderweise geäußert über ihre eigene Unsicherheit bzgl der sich völlig gegensätzlichen Geschichten von mir und meiner Tochter.
Im Grunde genommen überrascht mich das nicht wirklich aber es macht was mit mir. Ich gehe daran zu Grunde das sie ein solches Bild von mir hat das das so gegensätzlich scheint wie meines.
ich frage mich was mit mir nicht stimmt. Merke ich es einfach nur nicht das ich wirklich komplett versagt habe? Bin ich vll doch verrückt was diese widersprüchllichkeit erklären würde? Oder hat meine Tochter doch eine Persönlichkeitsstörung?
Ich bin fast überzeugt das diese Zusammenführung nach hinten losgehen wird. Ich habe Angst das ich mich davon nicht erholen kann weil ich jetzt schon am Ende bin.
Ich könnte auch irgendwann damit leben wenn sie mich völlig ignoriert als mir ständig ihre Ablehnung und Enttäuschung zu zeigen. ich kann einfach nicht mehr.

Vor einer Woche war sie zwei Tage hier. Es lief alles ganz gut. Wir haben wie Mutter und Tochter eine >schöne Zeit gehabt. Sie war an dem ersten tag auch noch bei der Beratung und muss dann so gesprochen haben das die Beraterin Mitleid bekommet. Das hat die Beraterin läuten lassen. Ich bin völlig verwirrt.
Was ist mit meiner Tochter los. Soll ich sie loslassen? ich ertrage das einfach nicht mehr

Danke fürs lesen. :roll:
Verzweifelt
 
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Re: War ich eine schlechte Mutter?

Beitragvon Vierfach-Mama » Fr 17. Mai 2019, 19:32

Liebe Verzweifelt,

auch wenn Dein Schreiben schon über zwei Monate her ist, äußere ich mich dazu, weil ich es eben erst gelesen habe.

Ersteinmal zu der Frage, ob Du eine gute Mutter warst oder bist:
Du hast Deine Aufgabe als Mutter so gut gemacht, wie es Dir möglich war. Da brauchst Du Dir über etwaige Fehler keine Vorwürfe machen, denn Du wusstest es in diesem Moment nicht anders.

Auch Du warst und bist eine Tochter. War da alles für Dich gut gelaufen?
Meistens trägt man die "Fehler" der eigenen Mutter an die Kinder weiter. Es ist ein Erbe, dass es zu durchbrechen gilt. Das gelingt den wenigsten und wenn meistens nur mit Therapie.

Ich persönlich denke, dass aktuell eine Zusammenführung mit Deiner Tochter nicht sinnvoll ist. So schmerzhaft das auch ist. Zuerst müsstest Du mit Dir und Deiner Vergangenheit ins Reine kommen.
Wenn Du alles verstehst, was in Deiner und Eurer Vergangenheit geschehen ist, wenn Du ganz klar die Gründe für alles erkennen kannst, dann erst kannst Dich auf Deine Tochter zubewegen, sie in den Arm nehmen und ihr sagen, dass Du auch ihren Schmerz verstehst.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

Lieben Gruß
Vierfach-Mama
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Re: War ich eine schlechte Mutter?

Beitragvon Ina164 » Fr 7. Jun 2019, 22:59

Ich weiß nicht wie man so verantwortungslos sein kann. :evil:
An ihrer Stelle würde ich mich schämen
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Re: War ich eine schlechte Mutter?

Beitragvon Mirkus » Sa 15. Jun 2019, 09:33

Hallo zusammen,
ich bin eigentlich eher ein stiller Leser und Vater eines wunderbaren Lütten und bald noch einem kleinen Mädel :)
Aber das Posting von Ina164 hat mich so wütend gemacht, dass ich mich nun glatt angemeldet habe.

Also entweder Sie haben den Ausgangspost gar nicht gelesen oder sind so ignorant, dass man es kaum in Worte fassen kann.
Es geht schneller als man denkt, dass man in Situationen wie die Threadstarterin gerät und sie sucht hier offensichtlich Hilfe und seelische Unterstützung. Und Sie haben nichts besseres zutun als unqualifizierte und vage Vorwürfe zu äußern. Sie sollten sich schämen!

Ich wünsche dem Threadersteller viel Kraft - die hat sie verdient.
Es wird besser und die Zeit kommt!
Mirkus
 
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